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Dyspraxie

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Dyspraxie wird häufig als „Bewegungsstörung“ beschrieben. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Tatsächlich handelt es sich bei einer Dyspraxie um eine Störung, die es den betroffenen Menschen erschwert Bewegung und Handlung in Einklang zu bekommen, bzw. zielorientiert zu handeln. Das Gegenteil der Dyspraxie ist die Praxie – also die Fähigkeit, motorische und feinmotorische Aktionen zu planen und durchzuführen. Bei der Dyspraxie handelt es sich um eine lebenslange Störung, unter der ca. 8 – 10% aller Kinder leiden.

Wie erkennt man eine Dyspraxie? Kinder, die an Dyspraxie leiden, haben oft Schwierigkeiten Tätigkeiten auszuführen, die gleichaltrige Kinder schon können. Dazu gehören beispielsweise Tätigkeiten wie Schnürsenkel zubinden oder einen Ball zu fangen und zu werfen oder der Bau eines Turms aus Bauklötzen. Dyspraxie wird aus diesem Grund auch oft das „Syndrom des ungeschickten Kindes“ genannt. Weitere Anzeichen für eine Dyspraxie können unter anderem unkontrollierte Bewegungen von einzelnen Gliedmaßen – wie zum Beispiel ein Zucken des Arms – oder auch das Entgleiten der Gesichtszüge sein. Betroffenen fällt es schwer verschiedene Gliedmaßen gleichzeitig koordiniert zu bewegen und einmal durchgeführte Bewegungsabläufe zu speichern und wieder abzurufen, also zu erlernen. So haben Kinder mit Dyspraxie häufig Probleme zu schreiben – nicht etwa weil sie nicht wüssten was sie schreiben wollen oder wie man bestimmte Wörter schreibt, sondern weil es für sie extrem schwer ist, den Stift zu halten und gleichzeitig die Buchstaben zu schreiben.

Wenn bei Kindern die Dyspraxie nicht erkannt wird, haben die Kinder oft damit zu kämpfen, dass sie als langsam und weniger intelligent angesehen werden. Das kann bis zum Mobbing in der Schule gehen.

Ist eine Dyspraxie ein Anzeichen für mangelnde Intelligenz des Betroffenen? Diese Frage kann man ganz klar mit einem „Nein“ beantworten. Der Rückschluss, dass jemand mit Dyspraxie weniger intelligent sein muss, als ein gesunder Mensch, ist absolut falsch.

Berühmte Persönlichkeiten, unbestritten intelligente Menschen, litten oder leiden an Dyspraxie. Ernest Hemingway, Albert Einstein, George Orwell beispielsweise haben unter Dyspraxie gelitten. Harry Potter Darsteller Daniel Radcliffe leidet an einer milden Form der Dyspraxie. Er hat Schwierigkeiten die Schnürsenkel zuzubinden, seine Handschrift ist sehr schwer leserlich. Die Dyspraxie hat ihn jedoch nie davon abgehalten, lange Texte auswendig zu lernen und als Schauspieler sehr erfolgreich zu werden.

Wie wirkt sich eine Dyspraxie auf den Schüler aus? Es gibt ganz explizite Beispiele dafür, wo Kinder mit einer Dyspraxie Schwierigkeiten haben können. Lese- und Rechtschreibprobleme treten in der Form auf, dass Buchstaben und Zahlen verwechselt werden, die ähnlich aussehen. Beispielsweise bei „a / e“, „b / p“, „ 6 / 9“, „ie / ei“, „b / d“. Zahlen werden häufig „gedreht“ – so kann aus einer 13 eine 31 werden. Dyspraxie-Patienten müssen so Wörter und zahlen immer neu erkennen, bzw. codieren. In der Geometrie kommt es häufig, dass Raumbeziehungen gestört sind. So haben Dyspraxie-Patienten Schwierigkeiten oben, unten und links und rechts zu unterscheiden. Aber auch Größen, Längen und Formen zu erkennen, kann Schwierigkeiten bereiten. Daraus ergeben sich auch andere Schwierigkeiten. Denn Dyspraxie-Patienten haben oft Schwierigkeiten die eigene Kraft richtig einzusetzen, weil Ihnen der Sinn für Entfernungen fehlen kann. So kann ein spielerisch gemeinter Schlag unter Kindern sehr stark ausfallen oder der Wurf eines Balls unvermittelt stark – trotz kurzer Distanz – ausgeführt werden. Das stößt bei Mitschülern und Lehrern oft auf Unverständnis.

Was können Eltern tun? Kinder die an einer Dyspraxie leiden, müssen besonders gefördert und unterstützt werden. Das Umfeld wie Lehrer, Kindergärtner, Eltern von Freunden müssen über diese Krankheit Bescheid wissen, die Folgen kennen und genau wissen, wie sie zu reagieren haben. Jeder beteiligte muss über eine Menge Einfühlungsvermögen, Geduld und Verständnis für die Situation des Kindes aber auch der Eltern verfügen.

Vorgänge bei denen die Kinder Probleme haben, müssen immer wieder mit viel Geduld geübt werden. Eltern sollten für einen störungsfreien Alltag der Kinder sorgen. Unvorhergesehenes – wie schon der unangekündigte Besuch eines Freundes oder eines Nachbarn – kann schon für Ausnahmesituationen sorgen. Eltern müssen Kindern genaue Anleitungen und Anweisungen geben. „Wenn Du nach Hause kommst, machst Du nach dem Essen bitte gleich Deine Hausaufgaben.“ Ist für „Normale“ Kinder eine klare Anweisung. Einem Kind mit einer Dyspraxie reicht diese Anweisung nicht. Erklären Sie Schritt für Schritt und vergessen Sie nicht normale Handlungen (Jacke ausziehen und aufhängen, Schuhe ausziehen, usw.) mit zu erwähnen. Dyspraxie-Patienten benötigen Rückmeldungen wie Lob und Kritik. Sagen Sie ihrem Kind also genau, was es falsch gemacht hat und ermutigen Sie es, es gleich noch mal zu versuchen.

Und bedenken Sie: „Will nicht!“ wohnt in der „Kann nicht!“ Straße. Wenn Dyspraxie-Kinder sagen, sie wollen etwas nicht machen, bedeutet es meistens, dass sie nicht können und Hilfe benötigen, dieses aber nicht zugeben wollen.

Bitte bedenken Sie: Die Gesundheits-Tipps von baby-modern.de sollen Ihnen als Orientierungshilfe dienen. Die individuelle Beratung durch einen Arzt oder andere Fachleute können sie jedoch selbstverständlich nicht ersetzen.